Zum Vertiefen
Glas-Glossar
Die Wörter der Glaskunst einfach erklärt: die Techniken, denen man beim Besuch der Glasmuseen begegnet — von den antiken bis zu jenen, die in Murano entstanden und bis heute lebendig sind.
Glasbläserei
Die Technik, die die Geschichte des Glases revolutionierte: eine hohle Eisenpfeife, mit der der Meister geschmolzenes Glas aufnimmt und zu einer Blase aufbläst, die er mit Werkzeugen und Drehbewegungen formt. Erfunden an der syrisch-palästinensischen Küste im 1. Jahrhundert v. Chr., verbreitete sie sich rasch im ganzen Römischen Reich.
Formblasen
Die Glasblase wird in eine Form geblasen, die Gestalt und Reliefdekor bestimmt. Schon die Römer stellten damit serienmäßig signierte Becher her: etwa jene des Meisters Ennion im Museum von Adria.
Murrina
Die Scheibe eines mehrfarbigen Glasstabs, deren Muster — eine Blume, ein Stern, ein Porträt — die ganze Dicke durchzieht. Aneinandergelegt und verschmolzen ergeben Murrinen Gefäße und Platten. Der Begriff stammt aus dem 19. Jahrhundert, die Technik ist uralt: Römisches Murrine-Glas bewundert man im Museum von Altino.
Millefiori
Das berühmteste Murrine-Muster: viele kleine Blütenscheiben, zu einer durchgehenden Fläche gefügt — wie eine im Glas erstarrte Blumenwiese. Eine antike Technik, die die Murano-Meister des 19. Jahrhunderts mit großem Erfolg wiederbelebten.
Filigranglas
Feine Fäden aus Lattimo-Glas, in klares Glas eingebettet, bilden regelmäßige, elegante Muster. Anfang des 16. Jahrhunderts in Murano entstanden, ist es eine der Techniken, die das venezianische Glas berühmt machten: Meisterwerke in Filigran zeigt das Glasmuseum Murano.
Reticello
Die virtuoseste Variante des Filigranglases: Zwei gegenläufig gewundene Fadenlagen kreuzen sich zu einem Netz, und in jeder Masche bleibt eine winzige Luftblase gefangen — alle von gleicher Größe. Ein Prüfstein für die Hand des Meisters.
Zanfirico
Ein Filigranstab aus mehrfarbigen, spiralig verdrehten Fäden, aus dem dann das Objekt komponiert wird. Der Name geht auf Antonio Sanquirico zurück, den Kunsthändler des 19. Jahrhunderts, der diese Murano-Virtuosität zurück auf den Markt brachte.
Lattimo
Milchweißes, opakes Glas, mit Zinnverbindungen erzielt. Im Murano des 15. Jahrhunderts als Imitat chinesischen Porzellans geschaffen, wurde es zum idealen Grund für emailbemalte Dekore.
Aventuringlas
Glas voller mikroskopischer Kupferkristalle, die wie Goldstaub funkeln. Die Schmelze gelang so unberechenbar, dass sie nur „a ventura" — auf gut Glück — glückte: daher der Name, der später auf den ähnlichen Stein überging.
Sommerso
Schichten verschiedenfarbigen Glases, ineinander „versenkt", erzeugen überlagerte transparente Dicken. Eine Signaturtechnik des Murano-Designs im 20. Jahrhundert, etabliert in den 1930er-Jahren und in der Nachkriegszeit heiß geliebt.
Incalmo
Das heiße Aneinanderfügen zweier geblasener Glasblasen verschiedener Farbe: Rand an Rand noch glühend verbunden, ergeben sie ein Objekt mit scharf getrennten Farbbändern. Eine der schwierigsten Übungen der venezianischen Glasbläserei.
Glaspaste
Opakes, intensiv gefärbtes Glas, oft auch kalt bearbeitet, seit der Antike für Schmuck, Amulette, Mosaiksteine und Kleinplastik verwendet.
Kameoglas
Zwei oder mehr übereinanderliegende Glasschichten — typisch Weiß auf Blau — kalt geschnitten wie ein Hartstein, sodass das Motiv als Relief hervortritt. Das absolute Meisterwerk ist die Blaue Vase aus Pompeji; Kameoglas ist auch in Aquileia zu sehen.
Conterie
Die winzigen venezianischen Glasperlen, über Jahrhunderte in Murano hergestellt und von den „impiraresse" aufgefädelt. Die Kunst der Glasperlen ist seit 2020 immaterielles UNESCO-Kulturerbe.
Emails
Opake Farbgläser, gemahlen und mit dem Pinsel aufgetragen, um Becher und Flaschen im Feuer zu verzieren — oder zu Tesserae geschnitten für Mosaike: Venezianische Emails haben Apsiden und Kuppeln rund ums Mittelmeer verkleidet.
Kristall
Bleiglas mit mindestens 24 % Bleioxid: schwerer, brillanter und mit charakteristischem Klang beim Anschlagen. Italiens Hauptstadt ist Colle di Val d'Elsa, wo rund 95 % der nationalen Produktion entstehen: Die Geschichte erzählt das Kristallmuseum.
Venezianisches Cristallo
Das vollkommen farblose, transparente Sodaglas, das Angelo Barovier Mitte des 15. Jahrhunderts in Murano perfektionierte: so rein, dass es den Vergleich mit dem Bergkristall verdiente, eroberte es die Höfe ganz Europas.
Böhmisches Kristall
Hartes, klares Kali-Kalk-Glas, perfekt für Schliff und Gravur, typisch für Mitteleuropa. In Italien stellten es die böhmischen Handwerker der alten Glashütte von Carisolo in den Dolomiten her.
Grünes Glas von Empoli
Das toskanische geblasene Glas mit der typisch grünen Farbe, die vom natürlichen Eisenoxid der örtlichen Sande stammt. Es machte Korbflaschen und Gebrauchsglas berühmt: Seine Geschichte erzählt das MUVE in Empoli.
Glasschliff
Die Kaltbearbeitung des Glases mit Schleifscheiben: zum Facettieren, Gravieren und Polieren. Es ist die Technik, die das Kristall zur Geltung bringt und seine Kanten wie ein Prisma funkeln lässt.
Fritte
Die glasbildende Mischung — Quarzsand und Flussmittel — nach einem ersten Brand gemahlen, bereit für die endgültige Schmelze im Ofen. In vorindustriellen Öfen war sie der erste, heikle Schritt der Produktion.
Glasmalerei
Eine Komposition zugeschnittener Farbgläser, mit Grisaille bemalt und in Bleiruten gefasst: die Kunst, die Kathedralen und Paläste erleuchtete, vom Mittelalter bis zum Jugendstil.